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Der Inter Regio Cup, eine Geschichte voller Missverständnisse - Ein Kommentar

Was war das vor Saisonbeginn nicht für eine muntere Nachricht: Der Eishockeyverband NRW und die BeNe-Leauge, die Liga aus belgischen und niederländischen Teams, haben einen gemeinsamen Wettbewerb ins Leben gerufen um die Saison für Vereine und Fans der teilnehmenden Teams interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten. Spätestens nach dem Vernunftrückzug der Soester EG aus dem Regionalliga-Betrieb sicher EINE Idee.
Nachdem man sich verbandsübergreifend auf die grundsätzlichen Durchführungsbestimmungen geeinigt hatte ging es los.
So weit so gut. 
Nun war der Modus von vorn herein ein wenig erklärungsbedürftig, denn, damit die Teams nicht noch einmal gegen die Teams ihrer eigenen Liga spielen mussten, entschied man sich die ersten Spiele gegen den jeweiligen Gegner aus der eigenen Liga doppelt zu rechnen, einmal für die heimische Liga und einmal für den Inter Regio Cup. Klingt vewirrend, ist aber tatsächlich gar nicht so kompliziert: Hat Beispielsweise der EHC Neuwied im ersten Reginalliga-Aufeinandertreffen mit den Hammer Eisbären gesiegt, so sollten die drei gewonnen Punkte einmal für die Regionalliga und einmal für den IRC zählen, so dass man am Ende rechnerisch irgendwie doch gegen jedes Team im IRC gespielt hätte. Machte ja auch Sinn, alleine schon des Wettkampfcharakters wegen.
Aber, es sollte dann doch anders kommen: Als bereits die ersten Spiele im IRC gelaufen waren, änderten die Verantwortlichen plötzlich den ursprünglichen Modus in eine HAlb- ja eigentlich eine Viertelrunde.

Natürlich hatte man keine Zeit groß darüber mit den Vereinen beraten und so bekamen die Vereine die neuen Durchführungsbestimmungen zugesendet und mussten damit leben. Für den einen oder anderen Verein war zu diesem Zeitpunkt fast schon klar, dass man in diesem Wettbewerb nun nicht mehr viel reißen kann, hatte man doch unter Umständen bereits ein oder zwei Spiele im IRC verloren. Trotzdem spielten alle tapfer weiter. 
Es soll hierbei auch keineswegs die Leistung des EHC Neuwied geschmälert werden. Die Bären haben eine tolle Runde mit weißer Weste gegen die BeNe-Leauge Teams gespielt und dürfen zu Recht stolz auf sich und eben den Titelgewinn sein, das meine ich absolut ernst, denn kein anderes Team konnte die belgischen und niederländischen Top-Mannschaften allesamt schlagen. 

Dennoch hinterläßt das am Ende kuriose Konstrukt IRC letztlich für mich für viele Andere einen gewissen Beigeschmack.

 

Dadurch, dass es auch kein Hin- und Rückspiel im IRC gab und das Heimrecht 50/50 gelost wurde zwischen den Teilnehmern, sowie die Planung der Spieltermine insgesamt, entstand zudem eine nicht unerhebliche Zusatzbelastung für die Mannschaften und Menschen drum herum. Sind wir mal ehrlich, von Amateurmannschaften zu erwarten an einem Sonntagabend in 300-400 Kilometer Entfernung anzutreten ist schon sehr fragwürdig. Schließlich haben fast alle, die diese Reise antreten im Normalfall einen Hauptjob, dem sie am Montagmorgen wieder nachgehen müssen und mit 3-4 Stunden Schlaf und einem Spiel in den Knochen dürfte das nicht so leicht fallen, von den Fans, die gerne ihre Mannschaft überall anfeuern möchten, mal ganz zu schweigen.

Ich wage zu behaupten, dass man bei der Spielplangestaltung sicherlich den Freitag als IRC-Tag hätte berücksichtigen können, wenigstens überwiegend. Vielleicht eine Idee für das nächste Mal, liebe Verbände und Verantwortliche. Mir ist bewusst, dass man es natürlich jedem Einzelnen Verein versuchen muss passend zu machen, aber diese Ansetzungen haben zudem meines Erachtens auch den Ligabetrieb teils nicht unwesentlich beeinträchtig. Sicher, das ganze war ohnehin aufgrund der geringen Planungszeit ein wenig mit der heißen Nadel genäht und vermutlich wird man sich in der kommenden Spielzeit viel mehr Gedanken über die gesamte Durchführung machen, sofern es ein weiteres Mal in der Art gibt.

 

Vielleicht könnte man auch über den Umgang mit Strafen nachdenken. Wenn ein Wettbewerb schon komplett eigens für sich steht, sollten Strafen, bzw. Sperren, die man in diesem erhält nicht in den Ligabetrieb übernommen werden. Das macht einfach wenig bis gar keinen Sinn. Auch mit Blick darauf, dass nicht alle Teams am Wettbewerb teilnehmen. Oder um es plump zu formulieren: Wenn ich im Aldi Hausverbot habe, darf ich trotzdem in den Lidl. Ich denke Ihr versteht, worauf ich hinaus will.

 

Viellicht überlegt man sich ja doch noch, so sehr man an der Idee des IRC hängen mag, von dieser Idee zunächst wieder weg zu gehen und den gesamten Amateur-Eishockey in Nordrhein-Westfalen weiter zu stärken. Das mag jetzt etwas fern, oder Weltfremd klingen, aber aufgrund der aktuell immer weniger werdenden Teilnehmer über alle Ligen, aktuell 24 inklusive B-Teams, könnte man zum Beispiel mal ganz unverbindlich über neue Ligeneinteilungen, neue Ligenmodi, oder ähnliches philosophieren um die Ligen wieder abwechslungsreicher zu gestalten. Vorschläge kann ich gerne liefern. Schließlich geht es auch um den Erhalt der Regionalliga.

Oder wie wäre die Einführung eines komplett Ligaübergreifenden Pokalwettbewerbs, anstelle des halbgaren NRW-Pokals. Ohne den Landesligisten ihr Können absprechen zu wollen, aber hat wirklich jemand gedacht, dass nicht zwei Regionalligisten das Teil ausspielen?! 

 

Aber um noch einmal auf das eigentliche Thema, dem IRC, zurück zu kommen. Die Leistung der Bären Neuwied ist und bleibt Top, auch wenn dieser Wettbewerb meiner Meinung nach am Ende eher Freundschaftsspielcharakter aufwies. Eine Art internationaler Freundschaftsspiel-Rahmenplan mit Tabelle, wenn man so will.

Apropos Tabelle: Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Tabelle gemäß der ursprünglichen Durchführungsbestimmungen erstellt um einfach mal zu zeigen wie, aber auch ob sich das Bild großartig verschieben würde. Hierzu sei gesagt, dass bei den Bene-Leauge-Teams noch ein paar Spiele fehlen, die das Bild noch einmal verändern könnten. Außerdem habe ich bei Punktgleichheit zuerst den direkten Vergleich herangezogen, erst dann würde das Torverhältnis greifen. Schaut einfach selbst:

(Offizielle IRC-Tabelle)
(Offizielle IRC-Tabelle)
(Tabelle nach ursprünglichen Durchführungsbestimmungen)
(Tabelle nach ursprünglichen Durchführungsbestimmungen)

Man erkennt also sehr klar, dass wir eine andere Tabelle hätten, wenn die Verantwortlichen die Durchführungsbestimmungen nicht während der Saison geändert hätten. Der Wettbewerb wäre ja auch eigentlich noch nicht vorbei, denn wie man rechts im Bild erkennen kann, haben manche BeNe-Leauge-Teams noch gar nicht gegeneinander gespielt.

Die Änderung hat also tatsächlich einiges an Spannung genommen. Einen Wettbewerb mit 12 Teams in einer Art Liga mit nur sechs Partien zu entscheiden macht diesen alles andere als spannend, oder interessant.

 

Aber hat der Inter Regio Cup denn nicht wenigstens die Attraktivität für den Zuschauer gesteigert und vielleicht sogar den einen oder anderen Gelegenheitszuschauer in die Hallen gebracht? Leider lautet die Antwort auch hier ganz klar NEIN! Im Schnitt, auch wenn es nur um 3 Spiele im IRC ging, ist die Zuschauerzahl entweder ungefähr gleich gewesen, oder sogar geringer (Quelle: Gamepitch). 

 

War der Inter Regio Cup am Ende doch nicht der Wettbewerb, den Fans, Vereine und Verband sich gewünscht hatten? Warten wir mal ab, welches Fazit der EHV zieht und wie es weitergeht mit der deutsch-belgisch-niederländischen Co-Produktion. 

 

Noch einmal: Ehrliche Glückwünsche nach Neuwied, an dem abstrusen Konzept ist schließlich nicht das Team schuld. 

 

Mit sportlichem Gruß, 

 

Chris von Eishockey in NRW.

 

(Der oben stehende Artikel spiegelt lediglich die subjektive Meinung des Autors wieder und ist in kleinster Weise allgemeingültig zu verstehen)

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